Safari auf Norddeutsch: Feldhasen im Hasenparadies Nordfriesland

Feldhase, frontal, Radierung, Chine Collé, Heike Pander

Feldhase, frontal, Radierung, Chine Collé, Heike Pander

Dass Feldhasen für mich auf diesem Ausflug an die Nordseeküste zur Hauptattraktion gerieren, hätte ich nicht gedacht. An sich wollten wir Wattwandern und die Nordsee sehen.

Nordfriesland – ein weißer Fleck auf meiner persönlichen geographischen Landkarte. Das soll sich nun ändern. Ich stelle mir die Gegend flach vor, mit mehr Schafen und Rindern als Einwohnern. Wattwandern und „steife Brise“ um die Nase wehen lassen haben wir vor.

Einquartiert haben wir uns im Druidenhain „Irgendwo im Nirgendwo“ in der Nähe von Neukirchen, direkt an der Grenze zu Dänemark. Getreide wiegt sanft im Wind, große Bäume säumen die schmale Straße, Blümchen blühen am Straßenrand. Außer uns, zwei Schafen, zwitschernden Vögeln, einer friedlichen Hornisse, einem Kaninchen und dem selbstfahrenden Rasenmäher bewegt sich nichts. Der Hof liegt idyllisch – ich bin gespannt, ob erhält, was er verspricht.

Feldhasen in der Abenddämmerung

In der kleinen Ortschaft gibt es ein paar Einkehrmöglichkeiten und einen Laden für die täglichen Einkäufe, die schnell erledigt sind. Auf der Rückfahrt nach dem Abendessen entdecke ich braune Punkte im abgemähten Gras. Das brandneue Fernglas gibt Aufschluss: Feldhasen! In Brandenburg sieht man sie nur noch selten, umso mehr freut mich der Anblick hier. Sie mögen große, weite Wiesenflächen mit Wildkräutern und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Das lässt die industriell betriebene Landwirtschaft kaum zu. Gülle und bereinigte Felder tun ihr Übriges, um den Lebensraum für die Hoppler unattraktiv zu machen. Offenbar so sehr, dass sie sich inzwischen sogar in den Stadtgebieten im Osten Berlins neue Räume erschließen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Feldhasen-Safari

Gekommen waren wir an sich wegen der Natur und der Nordsee – einmal im Watt wandern und so. Natur gibt es hier viel – aber dass ausgerechnet die Feldhasen für mich zur größten Attraktion würden, hätte ich nicht erwartet. Die Tage sind lang im Juni und Städte weit genug weg – Stadtleben habe ich sowieso jeden Tag mehr als gut für mich ist. Was macht man also auf dem „platten Land“, wenn man abends nach dem Tagesausflug noch Energie hat und nicht vor dem Fernseher vergammeln möchte? Genau: raus aus dem Haus zur Safari auf norddeutsch. Mein Reisegefährte steuert das Familienmobil, wir cruisen auf den kleinen Sträßchen zwischen Neukirchen und Ortschaften mit klangvollen Namen wie Rodenäs, Klanxbüll und Aventoft.

Feldhase, Rückansicht, Radierung, Chine Collé, Heike Pander, grau

Feldhase, Rückansicht, Radierung, Chine Collé, Heike Pander, grau

Dutzende Feldhasen gesichtet

Ich lasse meinen Blick konzentriert schweifen und zähle – Hasen. Nach nur fünf Tagen komme ich auf die sagenhafte Zahl von 111 Feldhasen-Sichtungen. Das hätte ich nicht erwartet, wo ihre Zahlen doch seit Jahren rückläufig sind. Ich schließe aber auch nicht aus, dass ich den einen oder anderen Hasen in meinem Eifer doppelt gezählt habe. Meister Langohr tritt hier sogar in kleinen Grüppchen auf. Das ist eher ungewöhnlich, denn an sich sind die Tiere Einzelgänger. Außer zur Paarungszeit. Sie futtern gemeinsam auf den Wiesen, beschnuppern oder balgen sich. Nach durchaus heftigen Gefechten finden sich Männchen und Weibchen und zeugen die nächste Generation. Das tun sie in guten Jahren sogar mehrmals im Jahr – darum können wir sie auch im Juni auf den Wiesen um Neukirchen beobachten. Stunde um Stunde könnte könnte ich einfach nur damit verbringen, den Hasen beim Futtern zuzusehen.

Feldhasen – Druckgrafik

Schade nur, dass ausgerechnet auf diesem Kurztrip meine alte Spiegelreflexkamera den Geist aufgibt. Für die kleine Pocketkamera sind die Hasen einfach zu weit weg. Also muss ich ohne Fotos in guter Qualität auskommen. Dafür Zeichne ich die Hasen später und setze sie als Radierungen an der Druckpresse um. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Feldhase, läuft, Radierung, Chine Collé, grau, Heike Pander

Feldhase, läuft, Radierung, Chine Collé, grau, Heike Pander

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