Ungewöhnliche Sichtung: ein Dachs am helllichten Tag

Dachs, Zeichnung, Naturstudie, Heike Pander

Dachs, Zeichnung, Naturstudie, Heike Pander

An einem der ersten warmen Sonnentage im Frühling brechen wir mit dem Motorrad auf nach Brandenburg. Es zieht uns in die Märkische Schweiz mit ihren schönen Hügeln, Wäldern und Seen. In Buckow machen wir Rast, um die besten Fritten im Landkreis zu genießen. Ein langer Aufenthalt wird es nicht, denn wir wollen weiter ins Künstlerdorf Ihlow und dort am Bio-Hof Ihlow im schönen Garten den leckeren selbstgebackenen Kuchen verkosten.

Ich fahre heute als Sozia mit und genieße den Blick über die hügelige Landschaft, die langsam wieder aus dem Winterschlaf erwacht. Auf den Wiesen zeigt sich zwischen braunen trockenen Grasbüscheln neues Grün. Noch überwiegt das Braun. Mein Blick bleibt an einem besonders großen Haufen hängen, der sich zu bewegen scheint. Meine Aufmerksamkeit ist geweckt – doch mit dem Motorrad sind wir zu schnell daran vorbei.

Tastächlich – das „Gras“ bewegt sich

Der Aufenthalt in Ihlow wird ein Kurzer, denn Kuchen gibt es heute keinen – wie die meisten Anbieter hat auch der Biohof geschlossen – Corona sei Dank. Auf dem Rückweg kommen wir an derselben Wiese vorbei, natürlich halte ich nach dem großen Grasbüschel Ausschau, der vorhin schon meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Er ist noch da – auch fast an derselben Stelle wie eben. Wieder sind wir zu schnell daran vorbeigefahren – doch aus den Augenwinkeln sehe ich es: der Büschel hat sich bewegt und zwar nicht hin- und her im sanften Wind, sondern von einer Stelle zur nächsten. Dieses Mal bin ich mir sicher und bewege meinen Fahrer zum Umkehren.

Leise lässt er die Maschine an einer kleinen Ausbuchtung direkt vor besagter Wiese ausrollen und hält an. Ich zeige auf den großen Haufen – und tatsächlich, er bewegt sich wieder. Ein Kopf taucht aus dem Gras auf. Das Tier ist auf der Suche nach Futter. Einen kurzen Moment sind wir irritiert. Was ist das bloß? Zu schnell war der Kopf wieder im Gras verschwunden, das Tier dreht sich von uns weg. Wir bleiben stehen und rätseln. Dachs oder Marderhund? Nein, für einen Marderhund hat das Tier zu kurze Beine. Es macht einen leichten Schwenk nach links, der Kopf taucht auf: die Zeichnung ist eindeutig. Die schwarz-weiße Färbung im Gesicht verrät den Dachs.

Ungewöhnliche Uhrzeit für Futtersuche

Die Frühlingssonne lockt also nicht nur Motorradbegeisterte aus ihrem „Bau“ und wir erleben eine außergewöhnliche Sichtung: Auf der Wiesen neben der Landstraße bewegt sich der Dachs am helllichten Tag! Damit hätten wir nie gerechnet, denn die Raubtiere aus der Familie der Marder sind vorwiegend nachts unterwegs. Was für eine Begegnung in freier Natur. Während ich meine Begeisterung kaum zügeln kann, stöbert Meister Grimbart, wie der Dachs in Fabeln und Märchen auch gerne genannt wird, selbstvergessen auf der Erde nach Weichtieren wie Würmern oder Schnecken. Für Früchte oder Vogeleier scheint es noch etwas zu früh. Etwas überrascht bin ich von der bräunlichen Färbung seines Fells – ich hatte sie irgendwie grauer in Erinnerung.

Die Ruhe selbst – der Dachs lässt sich nicht stören

Plötzlich schaut er zu uns – und erschrickt! Für einen kurzen Moment sichert er in unsere Richtung, kann uns nicht zuordnen. Sofort drückt er seinen kompakten Körper noch flacher in das Gras. Das macht er geschickt, denn wüssten wir nicht, dass er da ist – sehen könnte man ihn so kaum noch. Sein Schreckmoment dauert nicht allzu lange. Er realisiert, dass von uns keine Gefahr ausgeht, steht schnell wieder im Gras und geht seinen Geschäften nach. Dabei bewegt er sich ohne Eile im Zick-Zack von uns weg. Dieses ungewöhnliche Zusammentreffen habe ich genossen. Glücklich treten wir den Heimweg an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*