Gabelracke – bunter Edelstein im Wind

Gabelracke

Gabelracke

Der Tag hat mit dem Besuch bei dem großen Löwenrudel super angefangen und ich frage mich, ob das wirklich noch zu toppen ist. Seit Stunden rumpeln wir über die Pisten im Etoscha Nationalpark. Unentwegt bin ich auf der Suche nach dem „top Shot“ – aber ohne konkrete Vorstellung, wie dieser aussehen könnte. Fotografiert hätte ich gerne Nashörner aus der Nähe oder Geparden. Diese zeigen sich aber heute gar nicht.

Hellgraue Büsche säumen die Ränder an den Pisten. Nicht, dass dies ihre natürliche Farbe wäre – sie sind überzogen von der für diese Jahreszeit typischen feinen hellgrauen bis fast weißen Staubschicht, die sogar die Elefanten manchmal wie weiße Gespenster erscheinen lässt. Immer wieder schnellt ein bunter Edelstein von einem der Zweige auf – es sind Gabelracken, die gerade hier sehr zahlreich vertreten sind. Sie vereinen 27 verschiedene Farben in ihrem Gefieder, sind wunderschön anzusehen aber auch sehr flink.

Meine Versuche, einen der Vögel auf meinen Mikrochip zu bannen scheitern immer wieder. Bis ich das schwere Objektiv im Anschlag habe, ist die Gabelracke auf und davon – ich kann ihr nur enttäuscht nachschauen. So geht das nun schon seit geraumer Zeit – mit jedem verfrühten Abflug steigt mein Frust.

Wind kommt auf und lässt die Chancen auf ein gestochen scharfes Foto noch einmal deutlich sinken. Wenn ich sie schon nicht fotografiert bekomme, will ich sie wenigstens entspannt beobachten können. Die Nashörner sind vorerst vergessen. Sobald sich unser Fahrzeug den Gabelracken in den Büschen auf weniger als 10 Meter nähert, fliegen sie auf und davon.

So bleibt mir vorerst nur, diese schillernden bunten Vögel zu beobachten, wie sie sich große Käfer und andere Insekten schnappen und wieder auf den Zweigen landen – in gebührender Entfernung von uns, versteht sich.

Jetzt ist es wieder so weit: wir rollen langsam auf eine Gabelracke zu. 30 Meter, 20 Meter – 10 Meter! Aber was ist das? Sie bleibt sitzen! Sofort habe ich die Kamera am Auge, halte die Luft an, drücke den Auslöser – zum Glück hab ich die Kamera vorher richtig eingestellt.

Gabelracke im Wind in ihrer ganzen Farbenpracht, mit Sonnenreflexpunkt im Auge und die von mir so sehr geliebten Farben der Etoscha im namibischen Winter im Hintergrund. Ich liebe dieses Foto. Der Vogel bleibt erstaunlich lange auf seinem Zweig sitzen – aber das für mich perfekte Foto ist schon im Kasten. Unsere Geduld hat sich ausgezahlt. Entspannt kann ich nun den bezaubernden Vogel beobachten.

Inzwischen ist es später Nachmittag und die Zeit drängt – wir müssen den Park zu einer bestimmten Uhrzeit verlassen haben. Auf dem Rückweg zur Hauptpiste sehen wir in der Ferne einen großen Brocken, der sich langsam durch die Büsche schiebt. Es ist ein Spitzmaulnashorn, dessen prachtvolles Horn wir nun ganz deutlich sehen können. Ein ausgesprochen glücklicher Tag geht für mich zu Ende.

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